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Costa Rica

Es war ein ruhiger und doch langer Flug in die Traumdestination Costa Rica, wo die Menschen angeblich recht häufig über 100 Jahre alt werden. Nicht weil sie dort die besten Krankenhäuser oder Mediziner haben, sondern weil dieses Land die Verbindung zu Mutter Natur noch nicht verloren hat. Es gibt eine unglaubliche Fülle an Flora und Fauna - Vulkane ragen in die Höhe, in den faszinierenden Nebelwäldern spaziert man über Hängebrücken und in den Regenwäldern tummeln sich Affen, Schlangen und diverse Vogelarten. Die Faultiere haben es dagegen gar nicht eilig. Nur einmal die Woche klettern sie von den Bäumen herunter, um ihr Geschäft zu erledigen.

"Pura Vida" (= das pure Leben) ist in Costa Rica quasi Gesetz. Hier startet jeder gemütlich in den Tag, arbeitet nur, wenn dies dringend notwendig ist und kommt auch mal zu spät, denn Zeit ist hier alles und gleichzeitig nichts. Zum Frühstück isst jeder Gallo

Pinto (=Reis mit Bohnen) und gut gestärkt machten wir uns mit einer Klapperkiste, namens Daihatsu, auf den Weg nach Alajuela. An dieser Stelle möchte ich jedem, der überlegt sich einen Mietwagen zu buchen, einen Allradantrieb empfehlen.

Der Vulkan Poás stand als erster Punkt auf unserer Liste. Über die “Sinac-Website” muss man sich registrieren, um diesen für 20 Minuten besichtigen zu können. Leider spielte das Wetter nicht mit und wir sahen nur eine riesige Nebelsuppe in 2.708m Höhe. Getröstet haben wir uns danach mit “Fresas de Volcano” (=Erdbeeren, die auf dem fruchtbaren Vulkanboden

wachsen). Das waren definitiv die Besten, die wir jemals gegessen haben.

Unsere Route führte weiter nach La Fortuna, in die Nähe des nahezu perfekten Vulkan Arenal. Er ist zwar mit seinen 1.670 Metern kleiner als alle anderen, deswegen aber um nichts weniger imposant. An seiner Spitze hängt immer eine kleine Wolkendecke, sodass man den Kraterrand nur erahnen kann. Ganz selten verschwinden diese Wolke und der Vulkan kommt in seiner vollen Pracht zum Vorschein. Wer auf Abenteuer steht, kann hier eine Tour auf dem Pferderücken unternehmen. Wenn man Glück hat erwischt man einen verrückten, lustigen Guide, der einem das “Pura Vida” ganz, ganz nahe bringt.

Nach nur einer Nacht in La Fortuna verschlug es uns nach Monteverde. Es ging wieder zurück in die Berge und je höher wir kamen, desto schlechter wurden auch die Straßenverhältnisse. Schlussendlich fuhren wir auf einer Schotterpiste, ein Schlagloch folgte dem

anderen und rundherum befand sich gähnende Leere. Nicht mal Straßenbeleuchtung gab es und auch sonst fuhr niemand diesen Weg. Aber es war der Richtige und der Allradantrieb lohnt sich allemal!

Wir besuchten hier die Hängebrücken im Santa Elena Reservat. Diese befinden sich eingebettet in den Dschungel, es gibt kleine Wanderwege, die von einer Brücke zur nächsten führen. Hier begegnet man einer gigantischen Fülle von Vegetation, Vögel zwitschern und begleiten einen auf dem Weg und ab und zu wird man von Affengebrüll eingeschüchtert, das fast so klingt als würde ein riesiger Gorilla im Gebüsch sitzen. Die Brücken sind zwischen 15 und 52 Meter hoch. Wenn man noch Zeit übrig hat, lohnt sich ein Besuch im Monteverde Biological Reservat. Mit etwas Glück und Geduld lässt sich hier ab und zu der wunderschöne, seltene

Quetzal erblicken.

Weiter ging es an die Pazifikküste. Allerdings machten wir auf der Strecke noch Halt beim Nationalpark Barra Honda. Dieser Park liegt am Anfang der Nicoya Halbinsel und ist das komplette Gegenteil von allen Parks im Hochland. Hier ist alles verdörrt, der Boden ist so trocken, dass Risse darin entstanden sind. Es gibt einen Haufen Leguane, die die Hitze lieben, die anderen Tiere verkriechen sich lieber irgendwo oder bewegen sich nicht, um nicht zu viel Energie zu verschwenden. So übersahen wir fast ein paar kleine Brüllaffen, die faul auf den Ästen herum lagen.

In Samara konnten wir ein paar Tage wunderbar die Seele baumeln lassen. Das Hotel "Flying Crocodile" ist ein echter Geheimtipp und der ungefähr 100 Meter entfernte Sandstrand menschenleer. Vorsicht ist geboten bei der Lagune, da sich hier einige Krokodile tummeln. Nicht verpassen sollte man einen Flug über die Küste mit einem Leichtflugzeug (=Gyrocopter). Diese Hochgefühle werde ich wohl nie vergessen!

Eine lange Autofahrt trennte uns von unserem nächsten Ziel, daher machten wir erstmal Halt beim Nationalpark Carara, bekannt für die riesigen Krokodile, die am Rio Tarcoles herumliegen. Der Nationalpark selbst ist ein Naturschauspiel der Sonderklasse. Der nördliche Trockenwald trifft hier auf den südlichen Regenwald und so einsteht quasi ein "Wald im Dschungel". Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Tierarten, darunter die hellroten Aras, die hier ihren Hauptnistplatz haben.

Ein paar Stunden später kamen wir in Quepos an. Der Nationalpark Manuel Antonio soll wunderschön sein, es ist der kleinste

Nationalpark Costa Ricas und auch der, mit der größten Artenvielfalt an Touristen. Abgesehen davon, dass der Park sowieso

montags geschlossen hat, damit sich die Tiere erholen können, entschieden wir uns bewusst dagegen. Es ist zwar der bekannteste Nationalpark hier, doch unterstützen will ich es nicht, dass Affen gefüttert, Tiere angelockt und somit an den Menschen gewöhnt werden. Wir unternahmen stattdessen eine Bootstour zur Delphinbeobachtung und sahen uns den Strand vom Meer aus an.

Am nächsten Tag ging es wieder zurück in die Berge, genauer gesagt nach Turrialba in luftigen 2.500 Metern Höhe. Der erste Stopp ist das Guayabo Monument. Eine alte Ruine mit einigen zerfallenen Mauern. Amüsant ist das Schild gleich am Anfang worauf man

nicht alles aufpassen muss - "Verlasse niemals den Trail", "Verwende einen Stock, wenn etwas im Weg liegt oder hängt", "Pass auf die Schlangen auf" und "Greif nichts an, denn es könnte giftig sein". Um nur ein paar Hinweisschilder zu nennen. Die alten Gemäuer sind zwar interessant, aber noch spannender fand ich die Suche nach Faultieren. Leider vergebens, dafür erschrak ich umso mehr, als eine riesige Tarantel urplötzlich aus dem Gebüsch krabbelte. Natürlich musste ich sofort den Park verlassen, und da passierte uns gleich das nächste Wunder. Ein Faultier wollte gerade über die Straße und wir hätten es fast überfahren. Da sucht man die ganze Zeit vergeblich in den Bäumen nach diesen Tieren und dann hat man eines plötzlich direkt vor der Nase. Pura Vida!

Wenn man sich bereits im Hochland befindet, ist der Vulkan Irazú auch nicht mehr weit. An klaren Tagen am Morgen kann man angeblich von seiner Spitze in 3.432 Höhenmetern sowohl den Pazifik als auch den Atlantik erblicken. 

Der letzte Nationalpark, den wir besuchten, nennt sich Tortuguero. Es war eine sehr lange Anreise, das Mietauto parkten wir in Guapiles und dann ging es weiter mit dem Bus und schließlich mit dem Boot zur Lodge. Am Nachmittag machten wir einen Ausflug in das kleine Dörfchen Tortuguero, das Großteils vom Tourismus lebt. Erreichen kann man es übrigens auch nur über den Wasserweg. Am nächsten Tag erfuhren wir was REGENwald wirklich bedeutet. Wir unternahmen früh am Morgen eine Bootstour

durch die kleinen Kanäle, genossen die Stille, entdeckten einige Affen, Leguane und Tukane und wurden auf der Rückfahrt vom Regen bis auf die Unterwäsche durchnässt. Es war als hätte uns jemand mehrere Kübel Wasser über den Kopf geschüttet. Am Nachmittag wanderten wir noch ein wenig durch die Lodge, entdeckten sogar noch einige Tiere und am nächsten Tag ging es weiter in den Süden zu unserem letzten Stopp.

Unsere Rundreise endete an der Karibikküste am Strand von Puerto Viejo. Hier konnten wir ein letztes Mal die warmen Sonnenstrahlen genießen und Farbe tanken, bevor es wieder zurück nach Wien ging.


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