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Unser kleines Feld - Teil 1

Alles begann mit einer kleinen Lauf-Runde am Rande von Wien...

 

Ich jogge also los, meine Musik in den Ohren und hinter mir die Sintflut. Anfangs langsam, dann immer wieder mal ein bisschen schneller. Solange bis mir die Puste ausgeht. Ich trainiere für diverse Läufe, dadurch bleibe ich motiviert und fit. Aber zurück zum Thema: Ich laufe also immer und immer wieder denselben Weg entlang, bei diesem Feld vorbei, wo mehrere Leute einfach hinein gehen und anfangen zu arbeiten. Die ersten Male denke ich mir nichts dabei. Ich sehe das Schild "Haschahof" und denke: "Sieht interessant aus, das muss ich mal Googlen". Keine 2 Meter weiter hat mein Kopf schon wieder abgeschalten. 

 

So geht es mir einige Male und immer wieder denke ich: "Ah, das wollte ich eigentlich Googlen - mach ich dann gleich, wenn ich heim komme". Irgendwann ist es mir dann doch gelungen und das Ergebnis war pure Begeisterung. Da gibt es anscheinend einen kleinen Bio-Bauernhof, der tatsächlich bei mir ums Eck ist. 

 

Das Feld, an dem ich jedes Mal vorbei gelaufen bin, ist ein sogenannter "Pflückgarten". Hier kann man sich für eine ganze Saison eine Parzelle mieten, auf der diverses Gemüse angebaut wird. Es gibt einen Anbauplan, der jedes Jahr erneuert wird. Das Gemüse wird vom Hof gepflanzt und bewässert, der Mieter muss sich "nur" um das Unkraut und die Ernte kümmern.

 

Gesagt, getan - So begeistert, wie ich war, konnte mein Partner eigentlich gar nicht Nein sagen. Ich glaube, so richtig wusste er zwar nicht, worauf er sich da eingelassen hat, aber manchmal muss man schließlich auch ins kalte Wasser springen, oder?! ;)

 

Sehnsüchtig habe ich die Begegnung mit unserem ersten, kleinen, gemeinsamen Feld am 1. Mai herbei gesehnt und dann war es endlich so weit. Mit einem Grinser von einem Ohr bis zum anderen betreten wir den Pflückgarten. Die Sonne steht schon tief am Himmel und einige fleißige Gärtner haben bereits einiges an Unkraut entfernt und ihr Feld abgegrenzt. Kinder laufen mit Gießkannen herum und andere Pärchen besprechen den nächsten Schritt. Das Feld wirkt noch etwas kahl, aber wie sagt man so schön - "Geduld ist der Schlüssel zur Freude." (Einige meiner Freunde und allen voran meine Schwester würden an dieser Stelle lachen, denn sie wissen, wie ungeduldig ich normalerweise bin.)

 

Wir spazieren zu unserer Parzelle. Ein paar Gewächse wachsen aus der Erde und mein Partner fragt mich, was eigentlich davon Unkraut ist und was nicht. Kurze Stille. "Nun ja, das Löwenzahn-ähnliche Ding ist Unkraut würde ich mal sagen...", antworte ich und daraufhin folgt eine Diskussion darüber, ob es nun tatsächlich Löwenzahn ist oder nicht. 

 

Werkzeug haben wir nicht mit, trotzdem wollen wir unser neu ergattertes Bio-Gemüse-Feld zelebrieren, indem wir beide ein Unkraut auszupfen. Die Sache gestaltet sich schwieriger als wir dachten, da dieses "Löwenzahn-ähnliche Ding" Stacheln hat. Aber da müssen wir jetzt durch - Zähne zusammenbeißen, Erde lockern, greifen, drehen, ziehen, "Schatzi, du musst die Wurzel auch entfernen, sonst wächst es nach...", "Das sitzt aber ordentlich fest", "Autsch", "Wir brauchen auf jeden Fall Handschuhe", ...

 

Nach einer Weile stehen wir gemeinsam vor unserem Feld und lassen unsere Gedanken ein wenig schweifen. Unser eigenes Bio-Gemüse, direkt vom Feld, der Bezug zur Natur, … Ich lächle. Und langsam aber doch kommt auch mein Partner in "Ernte-Stimmung".

 

Wir schreiben uns eine Einkaufsliste für den Baumarkt und spazieren langsam zurück. Wir können es kaum erwarten bald wieder zu kommen und unsere ersten "Löwenzahnähnlichen Dinger" auszubuddeln. Nach längerer Recherche zuhause im Internet haben wir uns übrigens auf den Namen "Distel" geeinigt. :)


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Kommentare: 1
  • #1

    Sarah� (Dienstag, 05 Mai 2020 16:25)

    Hab grad deinen Eintrag gelesen und finde es so inspirierend � ich musste sehr lachen bei dem Teil mit der Geduld �� Bin schon gespannt, was ihr da alles aufblühen lässt und wachsen wird ��