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Unser kleines Feld - Teil 2

Nach unserem ersten Besuch am Feld überlegen wir, welche Werkzeuge wir für die anstehende Gartenarbeit benötigen und erstellen eine Liste. Haken, Unkrautstecher, Handschuhe - alles wird aufgeschrieben. Die Euphorie kommt uns fast bei den Ohren heraus. Nun ist auch mein Partner vollkommen überzeugt und wir beschließen ein paar Tage später gemeinsam einkaufen zu gehen.

 

Mit einer etwas größeren Liste gewappnet, stellen wir uns also DER Herausforderung in der Beziehung zweier Menschen - Wir betreten einen Baumarkt. In Corona-Zeiten ist das alles ein wenig anders als gewohnt. Es gibt etliche Besucher, die das Prinzip vom "Abstand halten" immer noch nicht verstehen. Und was ein Mund-Nasen-Schutz, der nicht über die Nase geht, bringen soll, weiß auch kein Mensch. Nun ja... Nach dem ersten Slalom um einige herumstehende Einkaufswägen und deren Benutzer im Eingangsbereich finden wir Gott sei Dank schnell die Gartenabteilung. Doch welches der unzähligen Werkzeuge ist wohl am besten für unser Lieblingsfeld? Nach längerem Hin- und Herüberlegen und einer kleinen, aber feinen Diskussion haben wir auch diesen wichtigen Schritt in unserer Beziehung erfolgreich gemeistert.

 

Die erste Hürde haben wir somit überstanden und wir freuen und schon riesig auf die Feldarbeit. Am nächsten Tag geht's auch schon los. Es herrschen fast perfekte Bedingungen, da es am Vortag geregnet hat und somit der Boden etwas weicher ist. Es ist Mittwochvormittag und freudig kommen wir bei unserem kleinen Feld an. Außer uns ist niemand hier, die Sonne strahlt vom Himmel und man könnte meinen, dass es angenehm warm ist. Wäre da nur nicht dieser Wind, der einem fast die Haare vom Kopf weht. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen. 

 

Zuallererst möchten wir unser Feld gegenüber der Nachbarfelder abgrenzen. Wir ziehen eine lange Schnur und befestigen diese an den Holzpflöcken. Geschafft! Nun kommen wir zur eigentlichen Arbeit. Wir lassen unseren Blick über das Feld schweifen. Da ist schon einiges an Unkraut gewachsen. Doch was ist eigentlich alles Unkraut und was nicht? Diese Frage wird uns wohl noch länger beschäftigen, denn die Pflanzen sind noch recht winzig. Wir beginnen also erstmal mit unseren geliebten "löwenzahn-ähnlichen" Dinger, genannt "Disteln". Einer nach der anderen geht es an den Kragen. Ab und zu hört man ein Schnaufen, Stöhnen, Fluchen... Disteln wachsen übrigens ziemlich tief in die Erde hinein und verwurzeln sich stark. Es ist ratsam sie schon im frühen Stadium zu entfernen, da sie sonst dem angebauten Gemüse die Nährstoffe und das Wasser entziehen können. Es handelt sich bei ihnen also um richtige Ungustel (=ugs., Unsympath), denn die wollen auch partout nicht aus der Erde und wehren sich mit allen Mitteln. Habe ich schon erwähnt, dass sie Stacheln haben?  Der Wind ist heute auch nicht unser Freund, denn unser "Unkrautsack" macht sich andauernd selbstständig. Aber im Großen und Ganzen ist diese ganze Feldarbeit recht meditativ.

 

2 Stunden vergehen, wie im Flug. Langsam packen wir unsere Sachen zusammen und werfen noch einen letzten Blick auf das Feld. Eigentlich haben wir echt viel geschafft in der kurzen Zeit. Der Großteil der Disteln ist entfernt. Einige kleine tummeln sich noch zwischen den Gemüsepflanzen, aber das erledigen wir beim nächsten Mal. Bis dahin sollten wir uns vielleicht schlau machen, wie unser Gemüse im kleinsten Wachstumsstadium überhaupt aussieht. Nicht, dass wir noch etwas Falsches auszupfen.

 

Gesagt - getan. Zuhause recherchiere ich ein wenig, damit wir beim nächsten Feldbesuch fit sind. Eineinhalb Wochen später finden wir uns wieder auf unserem Lieblingsplätzchen ein. Das Unkraut erkennen wir zwar immer noch nicht viel besser, aber die Bildersuche von Dr. Google hilft uns bei der Identifizierung. Wir zupfen also munter weiter. Unsere Pflänzchen sind noch ganz klein und ich frage mich wann wir wohl das erste Mal etwas ernten können. Beim Blick auf die Nachbarfelder fällt auf, dass hier wohl ein paar Profigärtner am Werk sind. Einige haben noch zusätzliche Gemüsearten angebaut, manche haben ihre Pflanzenreihen beschriftet und die Obergärtner haben ihr Feld mit Steinen verziert, einen eigenen Kräutergarten eingefasst oder einen Trampelpfad am Feldrand errichtet. Wahnsinn - ich bin fast neidisch. Ein paar Ideen werde ich mir vielleicht abschauen, für die Dekoration bin meiner Meinung nach sowieso ich zuständig. :)

 

Mittlerweile habe ich noch zwei weitere Freundinnen motivieren können, sich ein kleines Stück vom Pflückgarten zu mieten. Und siehe da - sie sind genauso begeistert wie wir. Ich finde, es ist eine super Erfahrung seinem eigenen Bio-Gemüse beim Wachsen zuzusehen und kann es nur jedem ans Herz legen, der gerne in der Natur ist und selbst erntet.


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