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Unser kleines Feld - Erntezeit

Mittlerweile ist der Sommer fast um und was soll ich sagen?! So ein Feld ist ganz schön viel Arbeit. Ich bin immer noch wahnsinnig begeistert und freue mich über reichlich Ernte, allerdings möchte ich ehrlich sein: Ich hab es mir einfacher vorgestellt.

 

Anfangs war ich jede Woche brav Unkraut zupfen. Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat es dieses Jahr nicht unbedingt wenig geregnet. Und so wurden natürlich auch unsere Pflanzen reichlich gegossen. Der Effekt davon war Unkraut über Unkraut, Unkraut und noch mehr Unkraut. Wir kamen gar nicht nach mit dem Zupfen. Meistens war ich einen Tag in der Woche dort. Ich fing an zu zupfen und kaum war ich auf der anderen Seite angelangt, konnte ich schon wieder von vorne beginnen. Mein Partner war leider nicht so oft mit, allerdings hab ich mir ein paar andere Hilfsarbeiter organisiert - An dieser Stelle ein riesiges Dankeschön!

 

Wir zupften also Woche für Woche, immer mit voller Motivation dabei. Natürlich war die Ernte dank des vielen Regens auch sehr ergiebig. Es gab Salat, Zucchini, Tomaten, Kartoffel, Paprika, Karotten, Zwiebel und kiloweise Mangold. Bevor ich diese Parzelle hatte, hab' ich noch nie im Leben Mangold gegessen. Ihr etwa?

 

 

Dann - es war ca. Mitte Juli - kam der erste große Frust. Wir waren auf Urlaub und haben das Feld für ungefähr zwei Wochen sich selbst überlassen. Der erste Besuch danach war ... nun ja, ich würde fast sagen deprimierend. Diese unglaublichen Disteln haben uns schon wieder entgegen gelacht. Es war, als wären wir im Dschungel angekommen. Alles wucherte und man konnte nicht mehr gut durchgehen. Mir fiel tatsächlich ein wenig die Kinnlade runter. Wie gut, dass ich meine lieben Freunde mitgenommen hatte. Wir arbeiteten stundenlang, jeder meiner heißgeliebten Disteln ging es wieder an den Kragen. Am Ende des Tages hatten wir es wieder ganz gut hinbekommen. Die Kartoffelpflanzen haben es leider nicht einmal bis zum Sommer geschafft. Den Kartoffelkäfern hat es nämlich ein wenig zu gut geschmeckt. Trotzdem konnten wir noch genügend Kartoffel ernten.

 

Eine andere Geschichte erzählen die roten Rüben. So wunderschön sie anfangs auch waren, so ernüchternd war auch die Ausbeute. Null Komma Null. Ausnahmsweise aber nicht wegen vernachlässigter Pflege - hier war etwas anderes am Werk. Auf so einem Feld gibt es nämlich auch noch andere Kleintiere außer Käfer, Spinnen und Regenwürmer. Einige würden sagen "Jöööö süß" (auch ich gehörte mal zu dieser Sorte), andere würden vor Schreck einen Sprung machen. Ich spreche hier von Mäusen und Feldhamstern. Wirklich niedlich diese kleinen Viecher, allerdings findet man sie nicht mehr so süß, wenn sie einem das Gemüse wegfressen. Und damit meine ich wirklich WEGfressen, denn rote Rüben waren keine mehr da. Zurückgelassen haben sie einen Schlachthof von Blättern, Schalen und etwas von dem roten Saft. Übrigens fressen diese Tierchen auch Karotten, Zucchini, gelbe Rüben und was ihnen sonst noch in die Quere kommt. Und nicht nur das, sie hinterlassen auch wunderschöne Erdhaufen, die wohl kein Gärtner gerne in seinem Beet vorfindet.

 

 

Und meine letzte Geschichte handelt von den unverschämten Feldkollegen ohne jeglichem Gewissen, die einem einfach ganz frech die Ernte klauen. Im Juli wuchs unser erster kleiner Kürbis. Ich freute mich so sehr, dass ich ihn gleich mitnehmen wollte. Allerdings war er noch zu klein zum Ernten. Eine Woche später unterhielt ich mich mit einer Freundin, die ein paar Parzellen weiter gärtnert, und sie erzählte mir, dass irgendjemand ihren Kürbis geklaut hatte. Ich konnte es kaum glauben. Ein anderer Kollege meinte ebenfalls, ich solle den Kürbis lieber gleich pflücken, sonst ist er vielleicht weg. Gesagt, getan. Am nächsten Tag ging ich los in der Hoffnung, dass meine Freunde falsch lägen. Nun ja - er war weg. Genauso wie meine Petersilie abgeschnitten war und auch einiges vom Karottengrün. Wer klaut denn bitte Karottengrün??? So verwundert ich noch immer darüber bin, über den Kürbis-Diebstahl habe ich mich wirklich geärgert. Ich dachte wirklich, dass hier in Rothneusiedl nur vernünftige Menschen herumrennen, aber da war ich wohl zu naiv. Gerade wachsen wieder zwei neue Kürbisse - ich hoffe sehr, dass ich diese bald ernten kann.

 

Die Saison neigt sich langsam dem Ende zu und es wird Zeit ein Fazit aus meinen Erfahrungen zu ziehen. Das Gärtnern hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht. Ich kann es jedem ans Herz legen, der gerne in der Natur ist und den Bezug zu seinen Lebensmitteln wieder richtig spüren will. Auf diesem Feld kann man die Zeit vergessen, abschalten, innehalten. Es ist tatsächlich wie eine Art Meditation. Ich will nicht lügen: Manchmal hatte ich so gar keine Lust hinzugehen und zu arbeiten, aber wenn man einmal den inneren Schweinehund überwunden hat, tut es echt gut da draußen zu sein. 

 

 

Dem Bio-Gemüse beim Wachsen zuzusehen ist eine große Bereicherung. Ich habe in dieser Saison so viel gelernt und weiß jetzt, was ich nächste Saison auf jeden Fall besser machen will. Die wichtigsten Lektionen möchte ich euch hier auflisten:

  • Fange früh genug mit dem Unkrautzupfen an!
  • Werde ALLE Disteln im Kinderstadium los, sonst wirst du es bereuen!
  • Mache dich früh genug mit den Pflanzen vertraut, damit du weißt, wie sie aussehen und du sie nicht versehentlich auszupfst!
  • Grenze dein Feld besser ab, damit andere Menschen es nicht zu einfach haben, reinzugehen!
  • Grabe regelmäßig ein wenig um, damit sich Gras nicht so leicht vermehren kann!
  • Überlege dir, wie du Kleinvieh fernhalten kannst (wahrscheinlich gar nicht, aber man kann's ja vielleicht versuchen)!
  • Rede mit deinen Feldnachbarn, sie könnten wertvolle Gartentipps für dich haben!
  • Zäune deine selbst eingepflanzten Melonen ein, damit dein Partner nicht unabsichtlich draufsteigen kann :-P
  • Fahre nicht auf Urlaub, sonst kommst du zurück und dein Feld hat sich selbstständig gemacht! (Das ist natürlich nur ein Witz.)

Durch die große Vielfalt und die reichliche Ernte wird man zudem kreativ in der Küche. Ich habe so viele neue Rezepte ausprobiert, die ich vorher noch nicht kannte. Ich habe einiges über Haltbar-machen gelernt und wie man bestimmte Gemüsesorten zubereiten sollte. Außerdem weiß ich jetzt, dass Reste, wie zum Beispiel Karottengrün, wertvolle Vitamine enthalten und auch noch weiter verarbeitet werden können. Ich werde euch im Laufe der Zeit  an meinen Rezepten und Ideen teilhaben lassen.

 

 

An dieser Stelle wünsche ich euch nun einen schönen Spätsommer, bleibt gesund und drückt mir die Daumen, dass mich nicht der Schlag trifft, wenn ich dem Feld mal wieder einen Besuch abstatte :)

 

Bis bald!

Eure Carina

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Lukas (Mittwoch, 02 September 2020 20:35)

    Klingt nach einem etwas komischen Partner, den Du da hast. ;-)